Gedächtnistraining, Gedächtnishilfen, Gedächtnistricks: die Routenmethode

Sie haben kein schlechteres Gedächtnis als andere. Auch, wenn Sie das Gefühl haben, im Alltag oftmals beweise dafür zu finden. Sie nutzen Ihr Gedächtnis nur nicht so wie andere Menschen.


Das Gedächtnis können Sie trainieren wie einen Muskel. Erfahren Sie hier über eine Möglichkeit Ihr Gedächtnis / Ihre Merkfähigkeit zu verbessern: mit der so genannte Loci-Methode oder auch Routenmethode genannt. Viel Spaß und Erfolg dabei!

Gedächtnistechniken / Gedächtnistricks sind keine Erfindung unserer Zeit. Bereits in der Antike wurden Gedächtnishilfen benutzt, die auf bildlichen Vorstellungen beruhen.
Laut Cicero wurde die erste Gedächtnishilfe dieser Art um das Jahr 500 v.Chr. von dem griechischen Dichter Simonides entwickelt.

Folgendes soll sich ereignet haben: Ein Grieche, der bei den Olympischen Spielen im Ringen gesiegt hatte, veranstaltete ein Festmahl, zu dem auch Simonides geladen war. Zu Ehren des Gastgebers sollte Simonides eine Rede halten. Kurz nachdem Simonides seine Rede beendet hatte, wurde er weggerufen. Unmittelbar nach seinem Weggang stürzte der Festsaal ein, und alle Gäste kamen ums Leben. Viele der Toten waren so verstümmelt, dass sie von ihren Angehörigen nicht mehr zu identifizieren waren. Ein würdiges Begräbnis wäre so nicht möglich gewesen. Doch Simonides konnte sich genau daran erinnern, wo sich die einzelnen Gäste aufgehalten hatten, als er das Gebäude verlies, und so konnte er die Leichen identifizieren. Simonides entwickelte die Methode der Orte - heute auch Loci-Methode oder Routenmethode genannt.


Simonides malte sich einen Raum mit markanten Ecken aus. Im Geiste stellte er eine Reihe von Gegenständen an bestimmte Stellen im Raum. Wollte er die Gegenstände wieder erinnern, ging er im Geiste durch den Raum und erinnerte sich auf seinem Weg an jeden markanten Punkt an den entsprechenden Gegenstand.


Gedächtnistricks wie dieser waren ein wichtiges Hilfsmittel, bevor es Schreibmaterial und Bücher gab. Römische Senatoren prägten sich ihre Reden ein, indem sie deren Inhalt bildlich mit den Säulen in den Wandelhallen verknüpften, in denen sie später die Reden hielten. Die Schauspieler des griechischen Theater merkten sich auf diese Weise lange Monologe, die sie mit Steinblöcken in der Arena in Verbindung brachten.


Warum ist diese Technik so wirkungsvoll?
Menschen haben ein besonderes Gedächtnis für die Verknüpfung von persönlich Erlebtem mit Orten und Zeiten. Es handelt sich hierbei um das so genannte episodische Gedächtnis.


Die Methode der Orte, oder auch Routenmethode genannt, eignet sich zum Beispiel auch, um sich die einzelnen Bestandteile einer Einkaufsliste zu merken. Wichtig ist eine eigene Route auszuwählen, deren Stationen Sie genau kennen. Vielleicht denken Sie an markante Punkte in Ihrer Wohnung, etwa an eine nicht funktionierende Lampe, einen überfüllten Mülleimer, einen blinkenden Anrufbeantworter, ein gemütliches Bett, an einen Couchtisch voller Leckereien, einen leeren Kühlschrank, usw. Sie sollten darauf achten, dass die (z.B. 10) markanten Stellen eine natürliche Reihenfolge ergeben: z.B. vom Eingang über den Flur in die Küche zu gehen.


Vergessen Sie nicht, die Gegenstände die Sie sich merken wollen, zu platzieren. So könnte z.B. die Salami die Sie kaufen möchten unter Ihrem Kopfkissen hervorschauen und einen leckeren Geruch verbreiten, den Sie vernehmen, wenn Sie die Wohnungstür öffnen. Wichtig ist hierbei: Je verrückter Ihre Route, also Ihre Geschichte ist, desto besser können Sie sich diese merken.


Malen Sie Ihre Geschichte mit allen fünf Sinnen aus. Verwenden Sie Farben, Gerüche, Geschmäcker, Gefühle und Geräusche. Gestalten Sie Ihre Geschichte merkwürdig. Nur so ist sie würdig gemerkt zu werden.


Für eine erste Übung geben wir Ihnen gerne 4 verschiedene Locimethode Einkaufslisten.pdfvor. Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei Ihr Gedächtnis, also Ihre Merkfähigkeit, zu trainieren!

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