"Ich bin nicht motiviert" zum Lernen ein Ausspruch, den sicherlich viele von Ihnen kennen. Aber warum ist Motivation für das Lernen so entscheidend. Und wie motiviere ich mich eigentlich zum Lernen?
Die Lernmotivation ist neben emotionalen, kognitiven und sozialen Faktoren für den Lernerfolg verantwortlich.
Außerdem beschreibt die Lernmotivation, wie ein Lernprozess verlaufen kann. Die Lernmotivation bestimmt, welche Inhalte bzw. Fähigkeiten erlernt, und wie tief diese verarbeitet werden. Liegt eine hohe Lernmotivation in bestimmten Bereichen vor, findet eine erhöhte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Lernstoffen statt. Das bedeutet also, dass gute Leistungen stark auf eine erhöhte Lernmotivation zurückgeführt werden können.
Nach Krapp setzt sich die Lernmotivation aus mehreren Faktoren zusammen. Bisherige Erfahrungen und frühere Entwicklungsbedingungen spielen eine große Rolle, da diese die lernende Person in seinen Interessen und Einstellungen beeinflussen. Außerdem ist das Umfeld, in dem sich die lernende Person befindet, und natürlich der zu lernende Stoff, der im Mittelpunkt des Lernprozesses steht, ein beeinflussender Faktor. Diese Gegebenheiten ergeben die aktuelle Lernmotivation.
Die Lernmotivation kann nur in Verbindung mit bestimmten kognitiven Fähigkeiten wirklich sinnvoll umgesetzt werden. Besonders das Zusammenspiel der beiden Faktoren „Wollen" und „Können" ist für den Lernerfolg vorauszusetzen, da diese sich stark gegenseitig beeinflussen.
In der pädagogisch-psychologischen Motivationsforschung spielen vor allem vier Formen der Lernmotivation eine wichtige Rolle:
- intrinsische Motivation
- extrinsische Motivation
- Leistungsmotivation
- Interesse
Sicher haben auch Sie immer wieder festgestellt das sich manche Personen mit bestimmten Inhalten vermehrt, mit anderen Inhalten wiederrum überhaupt nicht auseinandersetzen wollen. Auch haben Sie bestimmt festgestellt, dass manche in der Schule einige Schulfächer mit mehr Freude und Einsatz verfolgt haben als andere. Aber auch in der Berufsausbildung, während des Studiums und in der Arbeitswelt werden Sie das bei sich und anderen Menschen feststellen.
Die verschiedene Formen der Lernmotivation, die unterschiedliche Erklärungsansätze bieten, möchten wir nun näher erläutern:
Intrinsische und Extrinsische Motivation
Die Lernmotivation beschreibt (im Gegensatz zu den Motiven) den aktuellen Zustand einer Person, in der sie sich intensiv mit speziellen Lerninhalten beschäftigt. Hier liegt also eine Bereitschaft vor, sich freiwillig, zeitlich begrenzt, mit bestimmten Dingen / Aufgaben auseinanderzusetzen. Die Gründe für die Auseinandersetzung können unterschiedlichster Art sein: Liegt z.B. eine intrinsische Motivation vor, so handelt der Lernende um der Tätigkeit willen und die Handlung selbst bereitet ihm Freude und Zufriedenheit. Das würde z.B. bedeuten, dass ein Schüler lernt, weil ihn das Lernen an sich erfreut und für Zufriedenheit sorgt.
Handelt es sich um extrinsische Motivation, so wird eine Handlung ausgeführt, um bestimmte Ziele zu erreichen. Die Handlung an sich dient also lediglich als Mittel zum Zweck. Das würde bedeuten, dass der Schüler lernt, um gute Noten zu erhalten.
Es ist selbstverständlich, dass für einen erfolgreichen Lernprozess die intrinsische Motivation erstrebenswerter und sinnvoller scheint. Denn intrinsisch motivierte Menschen weisen insgesamt eine höhere Leistung auf als extrinsisch motivierte Personen (gleiche Rahmenbedingungen vorausgesetzt).
Bereitet eine Tätigkeit Freude, so setzt man sich vermehrt mit ihr auseinander, was wiederum zu einer tieferen Verarbeitung der erlernten Inhalte führt und somit einen Lernerfolg wahrscheinlicher werden lässt.
Leistungsmotivation
Von Leistungsmotivation spricht man, wenn Menschen bestimmte Erwartungen an ihre eigene Lernleistung haben und diesen einen Wert beimessen.
Die Lernleistung ist also entsprechend von dem erwarteten Wert bzw. dem Nutzen der Handlung abhängig. Im Gegensatz zur intrinsischen Motivation stehen die zu erlernenden Inhalte im Hintergrund. Im Vordergrund steht das Ziel, das damit erreicht werden soll.
Folglich existiert ein Gütemaßstab, an dem sich der Lernende messen kann. Das bedeutet, dass die Lernmotivation einerseits durch die Hoffnung auf Erfolg (also Erreichung des persönlichen Ziels) entsteht. Andererseits aber auch durch die Angst, das Ziel nicht zu erreichen, also zu scheitern.
Interesse
Wie Sie sicherlich aus eigener Erfahrung wissen, hat das Interesse einen großen Einfluss auf die Lernmotivation einer Person. Das Interesse ist dafür verantwortlich, welche Inhalte vermehrt gelernt werden: auf welche Inhalte die Auswahl fällt, welche Inhalte genauer und länger bearbeitet werden. Es stehen also ganz klar die Lerninhalte im Vordergrund. Denn die Lerninhalte sind für das Auftreten von Interesse verantwortlich. Im Sinne der intrinsischen Motivation setzt sich die lernende Person also aufgrund der Inhalte mit dem Lernstoff auseinander und hat dadurch Freude an der Tätigkeit selbst, ohne damit unbedingt bestimmte Ziele zu verfolgen.
Schiefele, Krapp und Prenzel sprechen dabei von der Person-Gegenstands-Theorie, bei der ein Gegenstand eine „gefühlsbezogene Valenz" (Assoziation mit positiven Gefühlen), eine „wertbezogene Valenz" (hohe subjektive Bedeutung) und eine „Selbstintentionalität" (also keine äußeren Zwänge) besitzt. Das Interesse muss dabei nicht immer Voraussetzung sein. Das Interesse kann auch während des Lernprozesses entwickelt werden. Dafür spielt wiederum die intrinsische Motivation eine große Rolle. Für den Bereich der pädagogischen Motivationsforschung ist das Interesse sehr wichtig und hat somit eine hervorzuhebende Bedeutung für die Lernmotivation. Das bedeutet also ganz einfach: um einen Schüler, Studenten, Auszubildenden, Mitarbeiter, ein Kind oder sich selbst vermehrt zum Lernen zu motivieren, ist es wichtig, das Interesse zu wecken.



