Prüfungsstress: Auswendiglernen und das Kurzzeitgedächtnis nutzen

Prüfungsstress: wenig Zeit, viele Inhalte zu lernen. In dieser Situation macht man gerne Gebrauch von der Technik des Paukens, also des Auswendiglernens. Möglichst viele Lerninhalte in möglichst kurzer Zeit in das Kurzzeitgedächtnis bringen und zumindest am Tag der Prüfung wieder abrufbereit zu haben. So das Ziel vieler Schüler und Studenten, wenn die Zeitplanung mal wieder etwas aus den Fugen geraten ist. Warum das Pauken jedoch maximal für einen kurzzeitigen Erfolg sorgen kann, lesen Sie hier.

Über das Pauken und das schnelle Vergessen der so "gelernten" Inhalte

Unser Wissensgedächtnis besteht aus mehreren Modulen, man könnte auch sagen aus Schubladen. Diese Schubladen können zwar unabhängig von einander arbeiten, sind jedoch miteinander verbunden.


Die unterschiedlichen Lerninhalte (Emotionen, Namen und Gesichter, Orte, Ereignisse, Zahlen...) werden in unterschiedlichen Schubladen abgelegt.
Das heißt, dass es von enormem Vorteil ist, die Inhalte parallel in mehrere dieser Schubladen abzulegen da das die Erinnerbarkeit in erheblichem Maße steigert. Das Abrufen eines bestimmten Aspektes befördert die Erinnerung an andere Inhalte und Aspekte und so schließlich des gesamten Wissensinhaltes. Dieses Wissen ist über Bedeutungsfelder miteinander vernetzt. Je mehr Wissen in einem bestimmten Gebiet bereits vorhanden ist, desto besser ist die Anschlussfähigkeit.

Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, die zu erlernenden Informationen in einem ersten Schritt anschaulich und alltagsnah darzustellen.

Sicherlich kennen Sie das Sprichwort „ Aller Anfang ist schwer!". Dem ist so, wenn die entsprechenden Schubladen noch mit keinerlei relevantem Inhalt gefüllt sind, wenn Sie also quasi bei Null anfangen und etwas von Grund auf neu lernen. Informationen, die komplett neu sind, sind noch nicht anschlussfähig. Das heißt, sie können noch nicht (oder noch nicht direkt) in das Wissensnetz eingefügt werden. So werden diese Inhalte zu einem mühsam gelegten Bodensatz aus dem nach und nach die ersten Teile des Wissensnetzes werden können. Gibt es hingegen schon Wissensnetz im jeweiligen Gebiet, so wird jeder neue Inhalt schnell und gut abrufbar verankert.

Die ungeeignetste Lernmethode ist das „Pauken". Unter Pauken versteht man das sture Auswendiglernen. Nicht nur, dass es keinen Spaß macht. Bei dieser Art des Lernens, bzw. des Versuchs der Wissensaneignung, werden Gedächtnisnetzwerke durch bloße Wiederholung von Inhalten ausgebildet. Dieses Vorgehen klappt immer. Auch dann, wenn weder Interesse an dem zu lernenden Inhalt noch Vorwissen vorhanden sind. Diese Vorgehensweise hat den entscheidenden Nachteil, dass sie eine Variante des motorischen Lernens darstellen und nicht des semantischen, d.h. inhaltlich bedeutsamen Lernens. Man beherrscht eine bestimmte motorische Fertigkeit (z.B. Fahrradfahren, oder Klavierspielen), versteht aber nicht, wie diese Fähigkeit funktioniert. Und anders als bei inhaltlichem Wissen, kann dieses Wissen auch nicht auf andere Gebiete übertragen werden.


Mit dieser Technik kann man Wissen mechanisch erwerben und anwenden, Lehrbuchinhalte auswendig lernen. Man hat diese Inhalte jedoch nicht in ihrer Bedeutung erfasst und kann entsprechend nicht mit diesen weiterarbeiten.
Das selbständige Durchdringen des Lernstoffs ist der richtige Weg zum Wissenserwerb.

Man sagt, dass Intelligenz zu einem großen Teil angeboren ist. Sicherlich kann man auch behaupten, dass Expertenwissen antrainiert werden kann (durch Pauken). Man aber nur durch eine entsprechende Vernetzung des eigenen Wissens wirklich klug wird.

Akademie Grüning

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