Oftmals fühlt man sich beim Lernen überfordert. Der zu lernende Stoff scheint unüberschaubar, das bereits Gelernte schon wieder vergessen. Bestimmte Passagen zu schwer... Warum fühlen wir uns beim Lernen oftmals so überfordert, dass daraus sogar Prüfungsangst resultiert? Lesen Sie diesen Artikel um zu verstehen warum es so wichtig ist das limbische Gehirn "ins Boot zu holen" um motiviert und somit erfolgreich zu lernen.
Unser Gehirn hat einen sehr langen Entwicklungsprozess hinter sich. Der älteste Teil unseres Gehirns ist der Hirnstamm. Niedere Wirbeltiere, wie Echsen, Fische oder Schildkröten verfügen ebenfalls über diesen Teil des Gehirns, weshalb er auch Reptilienhirn genannt wird.
Dieser Teil des Gehirns ist nicht lernfähig, hier sind die Instinkte angesiedelt. So z.B. auch Dinge, die wir aus Gewohnheit tun: sich in der Bibliothek immer auf denselben Platz zu setzen oder „sein Gebiet" (z.B. Auto oder Arbeitsplatz) mit persönlichen Dingen „zu markieren". Doch welche Bedeutung hat das limbische Gehirn nun für das Lernen?
Immer dann wenn wir in Stress geraten (z.B. Prüfungsstress, Prüfungsangst) und uns bedroht fühlen, ziehen wir uns in diesen Teil des Gehirns zurück: das Blut zieht sich aus den äußeren Gehirnbereichen ins Innere in Richtung Stammhirn zurück und wir sind nicht mehr denk- und aufnahmefähig. Bedrohungen die diese Reaktion hervorrufen sind heutzutage hauptsächlich Prüfungen, beruflichen Präsentationen...
Wie Sie dann in kürzester Zeit wieder lernfähig werden erfahren Sie in unserem Buch „Garantiert erfolgreich lernen" im Kapitel über Stressmanagement. Außerdem werden Sie auch in diesem Lerntipps-Blog Informationen darüber finden.
Entwicklungsgeschichtlich ist als nächstes das limbische Gehirn entstanden. Diesen Teil des Gehirns haben wir mit Säugetieren (z.B. Affen, Kühen oder Delfinen) gemeinsam. Im limbischen Gehirn befindet sich der Sitz unserer Gefühle. Dieser Bereich ist zuständig für die Homöostase, also für die Aufrechterhaltung unseres physischen und psychischen Gleichgewichts: unsere Gesundheit. Aber auch ein beträchtlicher Teil unseres Langzeitgedächtnisses und unser Sexualleben sind hier angesiedelt.
Der Bereich, der als letztes entstanden ist und über den in dieser Form nur der Mensch verfügt, ist der Neocortex, auch Großhirn genannt. Dieser Bereich ist dafür verantwortlich, dass wir sprechen, analysieren, kombinieren, argumentieren, erfinden, Strategien verfolgen und Entscheidungen treffen können und nicht nur stereotyp reagieren. Bevor eine neue Information diesen Bereich erreicht, muss sie das limbische Gehirn passieren, das, wie bereits erwähnt, unser physisches und psychisches Gleichgewicht aufrechterhalten soll.
Die einzige Aufgabe unseres Gehirns ist es, unser Überleben zu sichern. Dazu stellt das limbische System einen Filter dar, der alle neuen Informationen mit bereits vorhandenen Erfahrungen vergleicht. Ergibt dieser Vergleich ein positives Ergebnis, haben also solche Informationen schon einmal positive Gefühle hervorgerufen, werden diese an das Großhirn weitergeleitet und stehen zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Man könnte sagen, dass die Ampel für die Informationen gewissermaßen auf grün gestellt wird. Es entsteht ein Gefühl der Freude und dadurch auch Motivation.
Haben Sie zum Beispiel einmal erfolgreich eine Präsentation gehalten, sind Sie eher bereit, eine weitere auszuarbeiten. Ergibt der Vergleich allerdings ein negatives Ergebnis, kann es sein, dass das limbische System diese Informationen blockiert und nicht an den Neocortex weitergibt. Die Ampel steht auf rot. Unser limbisches Gehirn will uns auf diese Weise vor weiteren negativen Gefühlen beschützen, denn das ist seine Aufgabe. Denn auch die Aufrechterhaltung des psychischen Gleichgewichts ist für das Überleben notwendig.
Ergibt der Vergleich weder ein besonders positives noch ein besonders negatives Ergebnis, werden die Informationen zwar an den Neo-Cortex weitergeleitet, dieser jedoch nicht besonders stimuliert. Die Information hat dann nur wenig Eindruck auf uns und wird aus diesem Grund nicht lange gespeichert.
Das limbische System reagiert folglich nach vorgefertigten Schemata. Was einmal geklappt hat, wird auch in Zukunft gerne wieder angewendet. Das ist in Situationen, in denen es um das Überleben geht, sehr vorteilhaft und wichtig. Dem Lernen steht es aber oftmals entgegen, da das Reagieren nach Schemata verhindert, dass neue Dinge hinzugelernt werden.
Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, bestimmte Verhaltensweisen zu ändern. Man kämpft ständig gegen die Macht der Gewohnheiten an. Dank unzähliger negativer Erlebnisse in der Schule verbinden Viele negative Gefühle mit dem Lernen. Das hat zur Folge, dass das limbische System viele Informationen blockieren wird, die unserer Verarbeitung dann nicht zur Verfügung stehen. Daher stellt jede neue Lerntechnik (wie jedes neue Verhalten) für das limbische System zunächst immer eine Bedrohung dar. Egal wie ineffektiv man bisher auch gelernt hat, das limbische System hat registriert, dass man damit bis heute überlebt hat. Jedes neue Verhalten könnte uns unter Umständen umbringen. Das mag lustig klingen. Das limbische Gehirn denkt aber genau so und macht damit auch beim Lernen keinen Unterschied. Überrascht uns in der Wildnis plötzlich ein Tiger, ist dieser Mechanismus auch sinnvoll. Man soll kämpfen oder fliehen. Aber nicht lange überlegen, ob es Sinn macht, mit dem Tier zu reden.
Zwar werden neue Lerntechniken dafür sorgen, dass Lernen leichter fällt und wir damit wieder positive Gefühle verbinden können. Das limbische System muss davon aber erst überzeugt werden. Daher ist es besonders wichtig, die neuen Lernmethoden aus diesem Buch anzuwenden, auch wenn sich am Anfang Widerstände zeigen.
Haben Sie zum Beispiel bei den Gedächtnistechniken erst selbst erlebt, dass diese wirken und Ihrem Wohlbefinden eher nützen als schaden, haben Sie auch das limbische Gehirn mit im Boot. Es wird von nun an Ihr Lernen fördern, anstatt es zu hemmen. Das neue Verhalten wird mit dem Strom der neuen Gewohnheiten schwimmen.
Auf den einzelnen Stufen des Lernzyklus (Lernzyklus nach Grüning) werden Sie erfahren, wie Sie das limbische Gehirn auf Ihre Seite bringen.




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