Für unseren Körper und unsere Psyche ist Schlaf von enormer Wichtigkeit. Aber auch unser Gedächtnis, das Wissen und unsere Fähigkeiten hängen davon ab, ob wir ausreichend und auch entspannt schlafen.
In der heutigen, schnelllebigen Zeit in der es vielen Menschen oftmals darum geht möglichst viel „in einen Tag zu packen", schenkt man der oben genannten Tatsache jedoch weniger Aufmerksamkeit. Was allerdings vom Körper nicht unbeachtet bleibt, wie man dann häufig feststellen darf.
Leider wird immer häufiger zu Aufputschmitteln gegriffen statt zu einer „Mütze Schlaf". Denn im Alltag geht es nicht nur darum, seine Pflichten (Arbeit, Studium...) zu erfüllen, sondern auch den „sozialen Verpflichtungen" nachzukommen: Familie, Freunde, Freizeit.
Schlaf wird daher zunehmend als vergeudete Zeit empfunden obwohl er für unseren Körper und unsere Psyche lebensnotwendig ist.
Wir würden nicht lernen, wenn wir nicht behalten würden. Unser Gedächtnis leistet hier vortreffliche Dienste denn wir sind bis ins hohe Alter in der Lage, neues Wissen zu verarbeiten und zu speichern. Beim Lernen entstehen neue Verknüpfungen im Gehirn. Und umso dichter das so entstehende Netz der Nervenzellen ist, desto besser / leichter sind Informationen bei Bedarf abrufbar. Um die Gedächtnisstruktur zu stärken ist es sinnvoll, das Gelernte mehrfach zu wiederholen, denn die Verknüpfungsvorgänge der Nervenzellen dauern oft mehrere Stunden.
Die erste wichtige Phase
Während wir wach sind, also nicht schlafen, muss das Gehirn ständig auf neue Reize reagieren und diese auch verarbeiten. Das führt dazu, dass die erlernten Informationen (z.B. das Vokabeln lernen) oder Fähigkeiten (z.B. ein neues Stück auf dem Klavier) zunächst kurzfristig gespeichert werden. Das neu Gelernte ist nun also schon einem im neuronalen Netzwerk als „Gedächtnisspur" vorhanden, jedoch noch nicht sehr verfestigt. Der Schlaf ermöglicht nun, dass diese noch lockeren Verknüpfungen erneut aktiviert werden und die Informationen längerfristig im Gedächtnis verankert werden.
Die zweite wichtige Phase
Der Schlaf ist kein gleichförmiger Vorgang. Wenn wir schlafen, durchlaufen wir abwechselnd unterschiedliche Phasen. Wichtig sind die Tiefschlafphase und die Traumphase - auch Rapid-Eye-Movement-Phase oder kurz REM-Phase genannt.
Man geht heute davon aus, dass im Tiefschlaf die Verschiebearbeit der gespeicherten Informationen stattfindet. Das Ordnen, Sortieren und Strukturieren dieser Informationen erfolgt in der REM-Phase. In dieser Phase werden auch die Erlebnisse des Tages bewertet und unbewusst unseren bisherigen, abgespeicherten Erfahrungen zugeordnet. In der REM-Phase ermöglicht nicht nur die Verarbeitung der neu aufgenommene Eindrücke, sondern auch die, die schon länger zurückliegen. Kommen neue Inhalte hinzu, werden bestehende Strukturen im Gehirn verändert oder umorganisiert. Traumbilder sind für uns wahrnehmbare Zeichen dieses Vorganges.
Zahlreiche Studien verweisen auf einen engen Zusammenhang zwischen Schlaf und der Festigung von Gedächtnisinhalten. So schneiden Menschen und auch Tiere nach einer durchschlafenen Nacht bei verschiedenen zuvor erlernten Aufgaben deutlich besser ab. Ständiger Schlafmangel verringert die Gedächtnisleistung insgesamt.
Möchten Sie Ihre geistige Leistungsfähigkeit also steigern lautet die Konsequenz: Ausreichend Schlaf! Und wenn Sie etwas Neues lernen möchten, dann sollten Sie den Lernstoff vor dem Schlafengehen nochmals wiederholen: vor allem unmittelbar nach dem Lernen wachsen die Nervenverbindungen, die für das Erinnern wichtig sind, sehr schnell. Dann kann unser Gehirn die „Umbauarbeiten" im Schlaf in aller Ruhe durchführen.
Aber: Schlaf ist nicht gleich Schlaf! Lesen Sie dazu den Artikel "Stress und Schlafstörungen bei Prüfungsstress: Helfen Medikamente?"



