Was versteht man unter Schnelllesen (oder Speed Reading / Visual Reading)? Was passiert beim Lesen? Wieso lese ich langsam? Wieso kann ich mich nicht an das Gelesen erinnern?
Da uns diese Fragen sehr häufig gestellt werden möchten wir diesen Lerntipps-Blog nutzen um die Probleme beim Lesen und die Möglichkeiten diese zu lösen vorzustellen. Vor allem aber möchten wir erläutern, was Schnellleser anders machen als der Durschnittsleser.
Hier gehen wir Schritt für Schritt vor und geben mit diesem Artikel einen ersten Abriss zur Thematik Schnelllesen (Speed Reading / Visual Reading).
Was versteht man unter Schnelllesen?
Das „Schnelllesen" steht für die Fähigkeit, überdurchschnittlich schnell zu lesen und den Inhalt des Textes trotz der hohen Lesegeschwindigkeit zu verstehen. Um das zu erreichen gibt es unzählige aber dennoch sehr ähnliche Techniken.
Das Unternehmen Akademie & Verlag Grüning bezeichnet ihre Vorgehensweise als „Visual Reading". Hierbei ist es uns sehr wichtig zu vermitteln, dass es vordergründig nicht um eine schnellere Lesegeschwindigkeit geht sondern vielmehr um ein besseres Verständnis und eine bessere Erinnerung. Wir bezeichnen das schnellere Lesen gerne als positiven Nebeneffekt.
Der Akademie Grüning ist es wichtig zu vermitteln, dass wir es für sinnvoll erachten, die gewonnene Zeit dafür zu nutzen um das Gelesen zu integrieren. Um nach einer gelesenen Seite entspannt die Augen zu schließen und zu rekapitulieren, was Sie soeben an Informationen aufgenommen haben. Also um aktiver zu lesen, um direkt zu integrieren. Auch ist es ganz wichtig zu definieren, was Ihr Lesezweck und Ihr Leseziel ist. Wenn Sie ein Buch überfliegen um herauszufinden ob sich die benötigen Informationen darin befinden ist es etwas anderes, als wenn Sie einen medizinischen Fachtext lesen oder aber einen Roman in der Freizeit. Auf diese Aspekte legen wir in unseren Büchern und Seminaren sehr großen Wert.
Was ist ein Schnellleser?
Ein durchschnittlicher Leser kann etwa 200 bis 300 Wörter pro Minute (WpM) erfassen. Die schnellsten Leser unter den Schnelllesern hingegen können mit bis zu 1000 Wörtern pro Minute lesen. Es gibt auch die Möglichkeit mit noch höheren Geschwindigkeiten zu lesen. Hierfür ist allerdings jahrelange Übung notwendig.
Versprechungen von 5000 Wörtern pro Minute und mehr, wie sie von manchen Seminaranbietern oder Buchautoren gemacht werden, sind hingegen unseriös und wurden bislang nicht wissenschaftlich belegt. Überprüfte Rekorde liegen im Bereich von 3000 Wörtern pro Minute bis 4000 Wörtern pro Minute. Aber, wie gesagt, handelt es sich hierbei wirklich um Schnellleser, die diese Fähigkeiten über Jahre hinweg trainiert haben und zuvor, unbewusst, bereits sehr gute Leser waren.
Eine Messung der Lesegeschwindigkeit ist nur in Verbindung mit einer Überprüfung des Verständnisses sinnvoll. Auch wenn es zunächst paradox klingen mag: schnellere Leser verstehen mehr vom Text, da schnelles Lesen ein Zeichen einer höheren Lesekompetenz ist. In den Seminaren der Akademie Grüning („Garantiert erfolgreich lernen" und „Speed Reading - Visual Reading") wird der Fortschritt deshalb anhand der Lesegeschwindigkeit verbunden mit dem Textverständnis gemessen.
Wie lesen wir?
Beim Lesen wird grundsätzlich nur ein kleiner Teil der vorhandenen Buchstaben scharf erfasst (foveale Zone). Das Hauptkriterium für die Erfassung von Text ist die Wiedererkennung von Wörtern bzw. von Wortgruppen. Wortgruppen können als Ganzes erfasst werden, da der Leser sie zum größten Teil als Bild inklusive ihrer Bedeutung abgespeichert sind. Die Größe der aufgenommenen Wortgruppen ist abhängig von der individuellen Fähigkeit des Lesers (Blickspanne) sowie von der Gestaltung der Texte.
Ein wesentliches Kriterium des Texterfassens ist die Fähigkeit, bereits einmal erfasste Bilder (Textblöcke, Wortgruppen) wieder aufzurufen und diese in den bestehenden Kontext zu integrieren.
Das Erfassen von neuen Wörtern erfolgt zunächst durch einzelne Buchstaben. Wurde das Wort verstanden und in einen Kontext gebracht, wird dieses Wort als Bild gespeichert. Je nach Häufigkeit des Wortes wird dieses auch in einem unterschiedlichen Kontext mehrfach gespeichert.
Erfasst man beim Lesen jedes Wort einzeln (und so gehen sehr langsame Leser vor, sehr langsame Leser lesen sogar Buchstabe für Buchstabe), wäre es nicht möglich, Text schneller als mit 300 Wörtern pro Minute zu lesen. Das wiederrum bedeutet, dass man einen Text nie mit einem wirklich guten Verständnis lesen könnte. Denn ein hohes Textverständnis setzt eine entsprechend hohe Lesegeschwindigkeit voraus.
Wissenschaftliche Untersuchungen
Dank Hochgeschwindigkeitskamaras ist es möglich die Augenbewegungen zu untersuchen. Diese Untersuchungen zeigen, dass ein Schnellleser verglichen mit einem Durchschnittsleser einen Satz mit viel weniger Augenbewegungen und -fixierungen aufnehmen kann. Langsame Leser benötigen bis zu fünfmal so viele Augenbewegungen wie ein sehr guter Leser. Folglich ermüden die Augen bei langsamen und durchschnittlichen Lesern auch deutlich schneller.
Ein langsamer Leser muss sich anstrengen, um Informationen zu verinnerlichen. Die Frustration ist vorprogrammiert und Lesen wird als unschöne und anstrengende Tätigkeit bezeichnet, denn das Textverständnis ist niedrig und der Zeiteinsatz sehr hoch.
Das Schnelllesen kann jedoch erlernt und trainiert werden. Mit Hilfe verschiedenster Techniken verabschiedet man sich Schritt für Schritt von seinen schlechten Lesegewohnheiten.
Was behindert beim Schnelllesen?
Verschiedene Faktoren behindern uns schnell zu lesen. Neben eine niedrigen Kurzspeicherkapazität ist die Ursache vor allem auch in einem geringen Vokabular zu finden. Denn unbekannte Wörter können nicht so schnell erfasst werden und stören folglich den Lesefluss. Ein weiteres schwerwiegendes Problem stellen die sogenannten Regressionen da. Hierrunter versteht man das wiederholte Zurückspringen an bereits gelesene Stellen. Als nächstes schwerwiegendes Problem wäre das Wort-für-Wort-Lesen anzuführen: hierbei wird immer nur ein Wort nach dem anderen aufgenommen statt mehrere gleichzeitig zu erfassen (Lesen nach Bedeutungseinheiten).
Als weiteres Problem seien die zu lange andauernden Fixationen genannt. Eine Fixation (Augenhalt) muss nur eine Viertelsekunde dauern, während beim Fixationswechsel oftmals eine Sekunde vergeht.
Auch das Subvokalisieren, also das innere Mitsprechen der Wörter hält uns davon ab schneller zu lesen. An dieser Stelle sei angemerkt dass wir unseren Seminarbesuchern und Lesern immer den Hinweis geben, das Subvokalisieren nicht bewusst „wegzutrainieren". So eignen Sie sich eher Leseprobleme an (siehe hierzu ausführlicher im Lerntipps Blog).
Die geringe Aufnahme von Wörtern / Wortgruppen wäre ebenfalls anzuführen. Die Ursache hierfür können ineffektive Augenbewegungen oder eine geringe Aufnahmefähigkeit sein.
Natürlich können aber auch Desinteresse am Thema und die Abneigung gegen ein Thema der Grund dafür sein, dass wir uns mit dem Lesen schwer tun.
Nachdem wir uns mit den Problemen beim Lesen befasst haben möchten wir uns nun der anderen und viel wichtigeren Seite widmen:
Was erleichtert uns das (schnellere) lesen?
Zunächst sei ein Bereich angeführt den wir nicht beeinflussen können, wenn wir uns mit vorgegebenen Texten beschäftigen: die Gestaltung des Textes: Schriftart und Schriftgröße, Textblöcke und Zeilenabstände.
Wenden wir uns nun den Bereichen zu, die wir beeinflussen können.
Hier wäre eine größere Kurzspeicherkapazität zu nennen. Aber auch die Verwendung einer Lesehilfe um die Regressionen zu vermeiden. Das Auge ist es gewohnt, Bewegungen zu verfolgen. Folglich kann es Texte leichter aufnehmen, wenn ihm eine Führung vorgegeben wird. Das kann mit einem Bleistift oder aber mit dem Zeigefinger gemacht werden.
Undisziplinierte Augenbewegungen sind das wahrscheinlich größte Hindernis für das Schnelllesen. Ein langsamer Leser springt meistens von Wort zu Wort. Ein einziges Wort kann mehrere Augenbewegungen erfordern. Außerdem springt ein ungeübter Leser immer wieder zu bereits gelesenen Textstellen. Ein geübter Leser, ein Schnellleser dagegen besitzt einen durchgängigen Lesestil, benötigt weniger Sprünge und nimmt mit einem Blick mehr auf (Bedeutungseinheiten / Wortgruppen statt einzelner Wörter).
Auch Neugierde und Aufgeschlossenheit dem Thema gegenüber erleichtert das Lesen. Wenn das Thema zur Erreichung Ihrer persönlicher Ziele führt, ist die Aufgeschlossenheit und Motivation sicherlich gegeben.
Natürlich sollten Sie außerdem auf ausreichend Beleuchtung und eine gute Sitzhaltung achten.
Wie genau Sie an ein Buch herangehen um möglichst viel „herauszubekommen" erfahren Sie in unserem Seminar „Speed Reading - Visual Reading" sowie unseren Büchern „Garantiert erfolgreich lernen - Wie Sie Ihre Lese- und Lernfähigkeit steigern" und „Visual Reading - Garantiert schneller lesen und mehr verstehen." In diesem Lerntipps-Blog sind bereits einige Artikel hierzu erschienen.
Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Durchschnittsleser ihre Lesegeschwindigkeit verdoppeln oder sogar verdreifachen können, indem sie das Schnelllesen (Speed Reading / Visual Reading) üben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg die Möglichkeiten des Speed Reading / Visual Reading für sich zu entdecken und zu nutzen.




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