Um ein effektives und effizientes Speed Reading Training zu absolvieren, müssen Sie sich zunächst die Bewegungen Ihrer Augen bewusst machen. Denn nur wenn Sie wissen, wir Sie für gewöhnlich lesen und warum diese Lesetechnik Sie am Schnelllesen hindert und Sie zudem eine schlechte Erinnerung an das Gelesene haben, können Sie sich auf unsere Technik des Speed Reading / Visaul Reading einlassen und davon profitieren.
Das Problem der kleinen Schritte
Wenn Sie diesen Artikel lesen steht Ihr Ziel fest: Sie möchten zu der kleinen Gruppe von Lesern vorstoßen, die Texte jeder Art in möglichst kurzer Zeit mit einem Höchstmaß an Verständnis und Erinnerung verarbeiten kann.
Um dieses Ziel zu erreichen müssen Sie sich zunächst der Bewegung Ihrer Augen beim Lesen bewusst werden. Haben Sie schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie sich Ihre Augen über den Text bewegen? Denken Sie, dass sich Ihre Augen beim Lesen in einer gleichmäßigen Bewegung von links nach rechts und zurück bewegen oder nehmen Sie die Bewegung Ihrer Augen in einer anderen Weise wahr? Um die Antwort zu erfahren, suchen Sie sich für die nächste Übung bitte einen Partner.
Übung (Sie benötigen einen Übungspartner und ein Buch)
Setzen Sie sich Ihrem Übungspartner gegenüber, so dass Sie sich in die Augen schauen können. Halten Sie Ihr Buch etwas unter Augenhöhe, so dass Ihr Partner Ihre Augen gerade noch sehen kann und beginnen Sie zu lesen. Tauschen Sie die Rollen. Ihr Partner liest und Sie beobachten diesmal seine Augen. Tauschen Sie sich anschließend über Ihre Erkenntnisse aus.
Die Augen Ihres Übungspartners bewegen sich in Sprüngen über die Zeile. Denn das Auge kann nur dann etwas scharf sehen, wenn es auf einem Objekt ruht. In Bewegung ist es dem Auge nicht möglich, etwas zu fokussieren - es sei denn, es bewegt sich. Dann müssen die Augen versuchen, sich in dieser Geschwindigkeit mitzubewegen. Das bedeutet aber wiederum, dass das Auge auf dem Objekt still steht. Wenn Sie versuchen, aus einem fahrenden Zug den Text auf Schildern zu entziffern, bemerken Sie, wie schwierig das ist.
Wenn Sie die einzelnen Blicksprünge zählen, wobei Sie den ersten Sprung vom Ende einer Zeile an den Anfang der nächsten Zeile nicht vergessen dürfen, stellen Sie fest, dass die Anzahl der Sprünge in der Regel der Anzahl der Wörter in einer Zeile entspricht. Sollten Sie weniger Sprünge als Wörter pro Zeile zählen, können Sie sich glücklich schätzen, in Ihrer Lesefähigkeit schon fortgeschritten zu sein. Bei den meisten Lesern bewegen sich die Augen aber in folgender Weise über die Zeilen: Die Augen fixieren ein Wort, nehmen dieses auf und springen weiter zum nächsten Wort. Auf diese Weise quälen sie sich bis an das Ende eines Textes.
Dieses „Wort für Wort Lesen" bringt einige Probleme mit sich: Sie begrenzen Sie sich erheblich in Ihrer Lesegeschwindigkeit. Untersuchungen im Leselabor haben ergeben, dass die Fixationszeiten, also die Zeiten, die Sie mit Ihren Augen auf einem Wort verharren, im Durchschnitt ¼ Sekunde betragen. Die Sprünge zwischen den Fixationen dauern dagegen nur Millisekunden, so dass man diese Zeiten bei der Berechnung vernachlässigen kann. Pro ¼ Sekunde lesen Sie somit ein Wort.
Das bedeutet, dass Sie in einer Sekunde 4 Wörter und in einer Minute 240 Wörter lesen können. Die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit in der Bevölkerung liegt aber bei nur 215 Wörtern pro Minute, also etwas unter dem berechneten Wert. Das hat seine Ursache in weiteren Problemen, die beim Lesen auftreten und noch erläutert werden (in unserem Seminar „Speed Reading - Visual Reading" und dem Buch „Visual Reading - Garantiert schneller lesen und mehr verstehen"). Die Begrenzung der Geschwindigkeit ist nicht das Hauptproblem.
Viel schwerer wiegen die Einschränkungen, die Sie Ihrem Verständnis damit auferlegen. Nehmen wir an, Ihre Augen fixieren zunächst das Wort „Ein". Dieses Wort alleine wird Ihnen keinen Sinn vermitteln. Ihre Augen springen nun zum nächsten Wort und Ihr Gehirn erkennt dieses als „kleiner". Wieder kein Verständnis. Vielmehr müssen Sie die Bedeutung dieses zweiten Wortes zu der Bedeutung des ersten Wortes hinzuaddieren. Was sich so einfach anhört, erfordert Millionen von chemischen Reaktionen in Ihrem Gehirn. Ermüdende Rechenarbeit, ohne dass sich Verständnis einstellen kann. Ihre Augen springen nun zum nächsten Wort „grüner". Noch immer kein Verständnis. Weitere Millionen chemischer Reaktionen. Erneut ermüdende Rechenarbeit ohne erkennbaren Nutzen. Ihre linke Gehirnhälfte, die Daten linear, digital und analytisch verarbeitet, ist mit anstrengender Rechenarbeit beschäftigt. Ihre rechte Gehirnhälfte, die ständig Bilder benötigt, bekommt dagegen keine Impulse. „Ein kleiner grüner" ergibt noch kein Bild. Dies ist umso schlimmer, als Bilder der eigentlichen Sprache des Gehirns am nächsten kommen.
Versuchen Sie zum Beispiel, jemandem aus Afrika das Naturereignis „Schnee" nur mit Worten zu erklären. Sie müssen zunächst eine fremde Sprache erlernen. Haben Sie diese Hürde überwunden, stellen Sie unter Umständen resigniert fest, dass in diesem Stammesdialekt keine beschreibenden Wörter für Schnee vorhanden sind, da es Schnee in diesen Breitengraden, zumindest seit Erfindung der Sprache, noch nicht gegeben hat. Ein Foto von Schnee ist dagegen für das Gehirn viel einfacher zu erfassen. Idealerweise haben Sie Schnee in einer Tiefkühltruhe bei sich. Neben dem Sehen können Sie auf diese Weise auch die anderen vier Sprachen des Gehirns, nämlich das Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen einsetzen. Langsam müssen Sie aufpassen, vor lauter Rechenarbeit den Anfang des Satzes nicht zu vergessen. Bei drei Wörtern bereitet das noch keine Probleme. Wenn ein Autor jedoch in verschachtelten Sätzen schreibt und das entscheidende Verb bis zum Ende des Satzes auf sich warten lässt, laufen Sie Gefahr, den Anfang wieder zu vergessen.
Mit dem nächsten Blicksprung entziffern Sie aber endlich das Wort „Apfel". Nach weiteren Millionen chemischer Reaktionen kann Ihr Gehirn dem Lesevorgang endlich einen Sinn entnehmen: „Ein kleiner grüner Apfel". Nun ist es Ihnen möglich, das Bild eines kleinen grünen Apfels in Bruchteilen einer Sekunde vor dem inneren Auge entstehen zu lassen.



