Speed Reading Training: zur unbewussten Kompetenz

"Alles ist schwer bevor es leicht wird" sagt schon der Volksmund und hat Recht damit. Wie Sie bei Ihrem Speed Reading Training / Visual Reading Training auf die Stufe der unbewussten Kompetenz gelangen, möchten wir Ihnen mit Hilfe unserer Seminare und Bücher und auch mit Hilfe des Lern-Tipps-Blog vermitteln. Lesen Sie in diesem Artikel mehr über die unbewusste Kompetenz im Bereich des Speed Reading / Visual Reading

Unbewusste Kompetenz
Auszug aus dem Buch "Visual Reading - Garantiert schneller lesen und mehr verstehen" von Christian Grüning

Um sicherzugehen, dass das Ihr Speed Reading Training / Visual Reading Training zum Erfolg führt hilft es, Menschen zu analysieren, die diese Fähigkeit perfekt beherrschen.


Vielleicht ist Ihnen in anderen Situationen schon einmal aufgefallen, dass man Ihnen meistens nicht genau erklären kann, wie Sie eine komplexe Tätigkeit in ihre Einzelteile zerlegen, schrittweise üben und anschließend wieder zusammensetzen können.
Das liegt daran, dass Menschen, die eine Tätigkeit bereits perfektioniert haben, sich vielmehr auf der Stufe der unbewussten Kompetenz befinden.



Stufe der unbewussten Kompetenz

Beim Erlernen einer Fähigkeit durchlaufen Sie immer folgende vier Phasen:


1. unbewusste Inkompetenz > 2. bewusste Inkompetenz > 3. bewusste Kompetenz > 4. unbewusste Kompetenz


Als Beispiel führen wir das Auto fahren an. Als Neugeborener können Sie noch kein Auto steuern. Diese Unfähigkeit ist Ihnen aber noch nicht bewusst. Ein angenehmer Zustand. Man spricht von unbewusster Inkompetenz.


Während Sie älter werden, realisieren Sie, dass andere Auto fahren können, Sie aber nicht. Ihre Inkompetenz wird Ihnen bewusst. Sie haben die Stufe der bewussten Inkompetenz erreicht. Sofern Sie diesen Zustand als unangenehm empfinden, werden Sie versuchen, daran etwas zu ändern. Vielleicht unternehmen Sie Ihre ersten Fahrversuche im Wald oder Sie warten noch einige Jahre auf die Fahrschule.


Durch dieses Training wechseln Sie auf die Stufe der bewussten Kompetenz. Sie können nun Auto fahren, doch laufen Ihre Bewegungsabläufe noch sehr bewusst ab. Sie müssen sich genau auf das motorische Zusammenspiel von Hand und Fuß beim Schalten der Gänge konzentrieren. Auch die Reihenfolge der Gänge, verkehrsbedingte Stopps und kurvenreiche Strecken werden Ihre volle Aufmerksamkeit fordern. Ihr gesamter Arbeitsspeicher ist mit der Technik des Autofahrens ausgefüllt. Sie haben kaum Ressourcen frei, um auf das Radioprogramm zu achten, sich angeregt mit Ihrem Beifahrer zu unterhalten oder in Gedanken Ihren Tag vorauszuplanen.


Mit der Zeit werden Sie Ihren Pegel jedoch schrittweise immer mehr von der bewussten in Richtung unbewusster Kompetenz verschieben. Der Blick in den Rückspiegel und das Blinken fallen mit der Zeit vielleicht weg. Aber das Kuppeln und Schalten oder das Anfahren und Stoppen laufen bald automatisch ab. Sie müssen auf diese Abläufe keine bewusste Aufmerksamkeit mehr richten. Ihr Arbeitsspeicher wird durch diese Routine nicht mehr belastet. Sie haben nun genügend Ressourcen frei, um zum Beispiel auf die Landschaft zu achten.


Es sollte Ihr Ziel sein, diese Stufe der unbewussten Kompetenz in möglichst vielen Gebieten zu erreichen. Klavier spielen macht auch erst auf der Stufe der unbewussten Kompetenz richtig Freude. Wenn die Finger automatisch auf die richtigen Tasten fallen, ohne dass man sich darüber bewusst Gedanken machen muss. Erst dann kann man eine Tätigkeit wirklich genießen. Erst dann wird man sich bei einer Tätigkeit wirklich entspannen.


Ziel unseres Buches „Visual Reading - Garantiert schneller lesen und mehr verstehen" und unseres Seminars „Speed Reading - Visual Reading" ist es, Sie im Bereich des Lesens auf diese Stufe der unbewussten Kompetenz zu führen, damit Sie alle Vorteile des Lesens genießen können, ohne sich bewusst auf die Technik des Lesens konzentrieren zu müssen. Sie können Ihre volle Konzentration auf die Inhalte des Textes richten.

Jemand der beispielsweise schon seit dem zweiten Lebensjahr auf Skiern steht, wird Ihnen nicht unbedingt schrittweise erklären können, wie Sie Ihre Haltung verändern und Ihr Gewicht verlagern müssen, um einen Hang in schönen Schwüngen hinunter zu fahren. Personen, die eine Tätigkeit perfekt beherrschen, sind oftmals nicht die besten Trainer. Hierfür bedarf es gewisser anderer Fähigkeiten.

Nick Bollettieri, der unter anderem Andre Agassi trainierte, wurde vorgeworfen, dass er selbst nicht gut genug Tennis spielen könne. In der Tat mussten für bestimmte Trainingseinheiten Sparringspartner eingesetzt werden. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass Nick Bollettieri zu den besten Trainern weltweit gehörte und vielleicht immer noch gehört.

Im Bereich des Lesens wurden bereits mehrfach die besten Leser analysiert, um hinter das Geheimnis ihres Erfolges zu kommen. Insbesondere in den 50er Jahren wurde in den USA eine groß angelegte Studie durchgeführt. Die winzige Gruppe von Lesern, die mit über 1500 Wörter pro Minute lesen konnte und dabei ein hervorragendes Textverständnis hatte, wurde genau unter die Lupe genommen.

Auffällig waren die Unterschiede hinsichtlich der Augenbewegungen. Bei langsamen Lesern, die unter 300 Wörter pro Minute und mit meist schlechtem Verständnis lasen, sahen die Augenbewegungen, wie bereits beschrieben, folgendermaßen aus:

Blicksprung.jpg

Leser, die mit gutem Verständnis schneller lesen konnten, benötigten weniger Blicksprünge pro Zeile. Leser, die mit Geschwindigkeiten von über 800 wpm über den Text gingen, benötigten je nach Zeilenlänge höchstens zwei oder drei Fixationen pro Zeile.

Blicksprung2.jpg

Es werden auf diese Weise sinntragende Bedeutungseinheiten und nicht nur einzelne isolierte Wörter aufgenommen. Dies führt bei entsprechender Lesefähigkeit zu einer Verbesserung des Verständnisses. Das Gehirn erhält auf diese Weise genügend Informationen und kann zeitnah Bilder erstellen, wodurch sich die Konzentration beim Lesen verbessert. Man erhält keine Gelegenheit mehr zum Abschweifen.

Die Grenze für die erreichbare Lesegeschwindigkeit verschiebt sich entsprechend. Lag diese Grenze beim „Wort für Wort Lesen" im Schnitt bei 240 wpm, verschiebt sie sich auf 480 wpm, sobald man zwei Wörter auf einmal aufnehmen und verarbeiten kann und auf über 700 wpm, sobald dies auch mit drei Worten problemlos gelingt.

Verstehen Sie diese Rechengrößen nicht falsch. Es sind vereinfachte Werte, die Ihnen ein Verständnis für die unterschiedlichen Lesegeschwindigkeiten geben sollen. Es ist selbstverständlich nicht entscheidend, dass Sie ein Buch mit einer bestimmten Anzahl von Wörtern pro Minute lesen. Lediglich Ihr Leseziel und Ihr Verständnis stehen im Vordergrund. Dafür können Sie in der Zukunft eine große Bandbreite von Lesegeschwindigkeiten einsetzen. Ein langsamer Leser hat diese Freiheit nicht. Ihm steht nur eine Lesegeschwindigkeit zur Verfügung, eine langsame. Bei Lesern, die mit über 1500 wpm und sogar über 2000 wpm lesen, sieht die Augenbewegung nochmals anders aus. Sie haben nicht nur die Fähigkeit in mehreren Zeilen zu lesen, sondern nutzen auch den Rückwärtsschwung.

Blicksprung3.jpg

Bei genauer Betrachtung stellt das Rückwärtslesen kein Problem dar. Hat man die Stufe erreicht, auf der man Bedeutungseinheiten anstatt nur einzelne Wörter aufnehmen kann, ist die Reihenfolge nicht mehr entscheidend. Es ist vielmehr auch eine Frage des Schreibstils des Autors, wie er diese Einheiten anordnet. In welcher
Reihenfolge Sie zum Beispiel die beiden Bedeutungseinheiten „Ich lese ein Buch" und „in unserem Garten" aufnehmen, macht für das Verständnis keinen großen Unterschied.


„Ich lese ein Buch - in unserem Garten."

„In unserem Garten - ich lese ein Buch."


Solange man sich jedoch noch im „Wort für Wort Lesen" befindet,
stellt das Rückwärtslesen in der Tat ein Problem dar.


„Garten - unserem - in - Buch - ein - lese - ich"


Bleibt noch zu klären, wie diese Leser Bedeutungseinheiten aus verschiedenen Zeilen, die in dieser Reihenfolge nicht zusammen gehören, in ihrem Kopf richtig zusammensetzen können und ein gutes Verständnis des Textes erhalten. Gehen wir dazu wieder einen Schritt zurück zum „Wort für Wort Lesen". Versuchen Sie folgenden
Text zu verstehen.

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Sie können diesen Text verstehen, weil Sie in Ihrem Leseprozess bereits so weit fortgeschritten sind, dass Sie ganze Wörter auf einmal erfassen. Die Anordnung der einzelnen Buchstaben ist dann nicht mehr entscheidend, solange der äußere Rahmen stimmt. Wären Sie nicht in der Lage, ganze Wörter mit einem Blick aufzunehmen, sondern würden Sie immer noch, wie zu Beginn Ihrer Lesekarriere in der Grundschule, Buchstabe für Buchstabe fixieren, könnten Sie diesen Text nicht verstehen. Genauso müssen Sie sich ein Lesen in mehreren Zeilen vorstellen. Sobald Sie sich vom „Wort für Wort Lesen" entfernt haben und nach Bedeutungseinheiten innerhalb eines Absatzes lesen, fällt es Ihnen immer leichter, die Einheiten auch außerhalb der vom Autor vorgegebenen Reihenfolge zusammenzusetzen und zu verstehen. Alles eine Frage der Übung. Konzentrieren wir uns jedoch zunächst auf die Verbesserung des zeilenweisen Lesens. Wir werden uns von einzelnen Wörtern lösen und die Fähigkeit entwickeln, zuerst zwei Wörter und im nächsten Schritt zumindest drei Wörter auf einmal aufnehmen und in Verständnis umsetzen zu können. Erst wenn es uns möglich ist, Texte ohne Probleme mit über 700 Wörtern pro Minute zu verstehen, ist es an der Zeit, sich mit einem verständnisvollen Lesen in mehreren Zeilen zu beschäftigen.

Akademie Grüning

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