Sie möchten Ihre Lesefähigkeit und Ihre Lesegeschwindigkeit verbessern? Wie aber stellen Sie die Verbesserung fest? In dem Sie die Ergebnisse notieren und so Ihre Verbesserung, die sich schrittweise einstellen wird, nachvollziehen können. In Büchern und Seminaren zum Thema Schnelllesen / Speed Reading wird dies mit Hilfe von Fragen zum Textverständnis gemacht...
Die Bestimmung des Textverständnisses anhand vorgegebener Fragen ist problematisch. Denn mit solchen Testfragen wird nicht getestet, was der Leser über den Text weiß, sondern was der Tester wissen möchte. Dies entspricht auch nicht den Gegebenheiten beim „normalen" Lesen. Sie erhalten nicht bei jedem Text am Ende einen Fragenkatalog, mit dem Sie Ihr Verständnis kontrollieren können.
In den Seminaren und Büchern des Unternehmens „Akademie & Verlag Grüning" benutzen wir Fragen zum Text daher nur als eine Hilfe für den Anfang. Sie erleichtern Ihnen bei den ersten Durchgängen die Bestimmung Ihres Textverständnisses.
Eine bessere Vorgehensweise besteht jedoch darin, den Text nach dem Lesen im Geiste in eigenen Worten wiederzugeben. Oftmals ist man der Ansicht, einen Text verinnerlicht zu haben, muss dann jedoch feststellen, ausschließlich die Worte des Autors wiederholen zu können. Ist man hingegen in der Lage, den Text in eigenen Worten wiederzugeben und anderen zu erklären, so kann man sicher sein, den Text von Grund auf verstanden zu haben. Für die Bestimmung des Textverständnisses nimmt man daher den Umweg über die Erinnerung.
Ausgehend von dieser Wiederholung müssen Sie Ihr Textverständnis in Prozent bestimmen. Gehen Sie von folgenden Eckwerten aus. 0 Prozent Textverständnis bedeutet, dass Sie von dem Text überhaupt nichts wiedergeben können. 50 Prozent bedeuten, dass Sie die wesentlichen Hauptaspekte des Textes und den roten Faden rekapitulieren können, jedoch keine Nebenpunkte. Wenn Sie sich nicht an alle wichtigen Hauptpunkte erinnern können, liegen Sie mit Ihrem Textverständnis irgendwo zwischen 0 und 50 Prozent. Können Sie die Hauptpunkte und einige Details wiedergeben, stufen Sie sich je nach eigener Leistung zwischen 50 und 100 Prozent ein. Bei 100 Prozent können Sie alle wesentlichen Haupt- und Nebenpunkte erinnern und auch wichtige Details wiedergeben. 100 Prozent Textverständnis bedeutet selbstverständlich nicht, den Text auf Punkt und Komma genau nacherzählen zu können. Es sei denn, Sie lernen ein Gedicht auswendig.
Es geht hierbei nicht um prozentuale Genauigkeit, da es eine punktuelle Messgröße wie für die Lesegeschwindigkeit naturgemäß nicht geben kann. Umso häufiger Sie diese aktive Nachschau eines Textes in Ihr Lesen einbauen, desto genauer wird Ihnen die Bestimmung Ihres Textverständnisses in der Zukunft gelingen.
Hervorragende Leser haben diesen Schritt so weit verinnerlicht, dass diese Nachschau nicht mehr bewusst abläuft, sondern sie den Text unbewusst und völlig automatisch während des Lesens im Geiste rekapitulieren. Dies ist eine Grundvoraussetzung für gute Erinnerung, denn durch die Wiederholung werden die Inhalte des Textes aktiv aufbereitet. Auch wenn diese Vorgehensweise die einzig akkurate Möglichkeit ist, das Textverständnis zu bestimmen, erfordert dies eine sehr hohe Lesekompetenz. Die Fähigkeit, den Inhalt eines Textes in kürzester Zeit vorüberziehen zu lassen und sein Verständnis auf einer Skala von 0 bis 100 einzuordnen, können Sie sich zum Beispiel mit Hilfe des Buches „Visual Reading - Garantiert schneller lesen und mehr verstehen" erarbeiten.
In seinen Seminaren hat Christian Grüning immer wieder festgestellt, dass diese Vorgehensweise gerade den schwächeren Lesern am Anfang große Probleme bereitet. Einzig aus diesem Grund hat er den Leseübungen in seinem Buch „Visual Reading" einen Fragenkatalog angefügt. Im Fortlauf dieses Buches hat der Leser genügend Übungsmöglichkeiten, das Textverständnis immer besser ohne solche Lesetests zu bestimmen. Denn die einzige Möglichkeit, diese für den Leseprozess entscheidende Fähigkeit zu verbessern, besteht darin, es immer wieder zu üben.



