Speed Reading und lernen: Kampf gegen das Vergessen und Konzentrationsschwierigkeiten

Warum ist das Lernen manchmal so schwer? Warum hat man oftmals das Gefühl ständig gegen das Vergessen ankämpfen zu müssen und ständig gegen den Strom zu schwimmen? Welche lernbiologischen Grundlagen muss man beachten, wenn man einfach und erfolgreich lernen möchte? Wenn man sich an das Gelesene erinnern möchte...

In diesem Artikel möchten wir Ihnen näher bringen, was während des Lernprozesses und während des Leseprozesses in Ihrem Gehirn vor sich geht und warum das Lernen und Lesen manchmal so extrem schwer fällt und nicht von Erfolg gekrönt ist. Sicherlich wird es Ihnen anschließend leichter fallen sich selbst mit Verständnis zu begegnen, wenn beim Lernen wieder einmal nichts voran zu gehen scheint oder Sie eine Seite zum wiederholten Male lesen müssen, da Sie sich vom Inhalt nichts merken konnten.

Ihr Überlebensinstinkt - welche Rolle dieser beim Lesen und Lernen spielt


Ihre Sinnesorgane erfüllen Funktionen, um Ihr Überleben zu sichern. Wenn Sie z.B. über Ihre Ohren ein Knacken in einem Busch hinter sich wahrnehmen, können Sie Ihren Kopf schnell in diese Richtung drehen und Ihre Augen auf die Bewegung richten. Nehmen wir an, Sie sehen aus dem Busch ein wildes, gefährliches Tier springen. Dieses Bild leiten Ihre Augen an Ihr Gehirn weiter. In Ihrem Gehirn befindet sich eine Vermittlungsstelle: das limbische Gehirn. Registriert dieser Teil Ihres Gehirns eine Bedrohung, die Ihr Überleben gefährden könnte, so schaltet das limbische Gehirn automatisch Ihr Stammhirn ein. Dieser Teil des Gehirns wird auch Reptiliengehirn genannt, da wir es mit niederen Wirbeltieren, wie Schildkröten oder Echsen gemein haben. In diesem Teil des Gehirns sind die Instinkte angesiedelt (z.B. den Arm zum Schutz heben). Unter Umgehung des bewussten Denkens schalten Sie auf diese Weise automatisch auf Kampf oder Flucht.


Anders stellt sich die Situation für das limbisches System dar, wenn aus dem Busch statt eines gefährlichen Tieres lediglich eine Schildkröte auftaucht. Diese Vermittlungsstelle wird nun Ihr Großhirn einschalten, auch Neocortex genannt. Sie können diese Erfahrung bewusst verarbeiten, während Ihre Augen bereits nach weiteren Bewegungen Ausschau halten. Der Neocortex ist der Teil unseres Gehirns, der uns Menschen vom Tier unterscheidet. Hier ist unsere Denk- und Argumentationsfähigkeit angesiedelt. Beim Lesen benötigen wir Zugriff auf diesen Bereich des Gehirns, um die neuen Informationen verarbeiten zu können. Im Laufe des Buches „Visual Reading - Garantiert schneller lesen und mehr verstehen" sowie unseres Seminars „Speed Reading - Visual Reading" lernen Sie Möglichkeiten kennen, Ihrem limbischen Gehirn die Weitergabe der Informationen an den Neocortex zu erleichtern.


Vor allem wenn Sie lernen, müssen Sie diese Überlebensmechanismen Ihres Gehirns im Auge behalten. Solange Sie Ihr Lernverhalten an diesen lernbiologischen Naturgesetzen ausrichten, lernen Sie mühelos. Andernfalls schwimmen Sie mit Ihren Lernbemühungen ständig gewissermaßen gegen den Strom. In dem Buch und Seminar „Visual Reading" widmen wir uns hauptsächlich den Vorgängen des Leseprozesses. In dem Buch und Seminar „Garantiert erfolgreich lernen" werden die grundlegenden Prinzipien für den gesamten Bereich des Lernens aufgegriffen.


Wir haben bereits an anderer Stelle erwähnt, dass die Augen nicht dafür „gebaut" sind, unbewegten Zeilen zu folgen. Das Lesen eines Buches ist keine natürliche Aufgabe, vielmehr müssen die Augen zu dieser Tätigkeit gezwungen werden. Das Abschweifen der Augen nennt man Regressionen. Vor allem die unbewussten Regressionen, die Sie nicht unter Kontrolle haben, verlangsamen Ihr Lesetempo und schaden Ihrem Verständnis. Sie müssen nach diesen Regressionen immer wieder in den Text zurückfinden. Schlechte Leser springen häufig aber auch bewusst zu früheren Zeilen oder Wörtern zurück. Diese Regressionen sind in der Vielzahl der Fälle ein Zeichen für mangelndes Vertrauen in die eigene Lesefähigkeit.

Zum Teil laufen diese Regressionen automatisch ab, da diese Rückblicke, zumindest zum Zeitpunkt als man das Lesen erlernt hat, ein probates Mittel gewesen sind, um sich der Inhalte eines Textes zu vergewissern.

Kann man aber bereits lesen, sind diese Rücksprünge nicht das beste Mittel der Wahl, sein Verständnis zu verbessern. Zudem fällt es den Augen nicht leicht, den Anfang der neuen Zeile zu finden. Untersuchungen im Labor haben ergeben, dass wir bis zu einem Drittel der Lesezeit dafür verwenden, die neue Zeile in einem Text zu finden. Bei drei Stunden Lesezeit verbringen wir folglich eine Stunde damit, die neue Zeile zu suchen. Dennoch lesen wir gelegentlich Zeilen doppelt oder überspringen aus Versehen eine Zeile. Kostbare Zeit geht verloren, wodurch die Lesegeschwindigkeit verlangsamt und das Verständnis erschwert wird. Hilfreich wäre es, wenn jeweils der erste Buchstabe der nächsten Zeile winken würde. Dann würde es leicht fallen, blitzschnell zum Anfang der nächsten Zeile zu springen. Bewegung ist aber nicht nur für effektive Augenbewegungen eine unerlässliche Voraussetzung, sondern auch für Ihre Konzentration.

Wo Bewegung ist, ist immer auch Ihre Konzentration. Dies ist ebenfalls ein biologisches Naturgesetz zur Sicherung des Überlebens. Nehmen wir an, Sie befinden sich auf einer Dschungelsafari. Auf Ihrem Weg durch den Urwald nähern Sie sich einer gefährlichen Giftschlange, die gut getarnt in einem Busch hängt, bedrohlich nahe. Sobald Sie der Schlange zu nahe kommen und diese sich bewegt, können Sie sie blitzschnell abwehren. Ihre ganze Aufmerksamkeit ist dafür auf die Bewegung ausgerichtet.


In seinem Buch „Visual Reading - Garantiert schnelles lesen und mehr verstehen" schreibt der Autor Christian Grüning: „Viele meiner Kommilitonen wussten nach einem Arbeitstag in der Bibliothek viel besser darüber Bescheid, wer wann gekommen ist, was angehabt hat, wann welches Buch aus den Regalen genommen hat und wie oft und wann zur Kaffeepause verschwunden ist, als darüber, was in ihrem Buch stand. Verständlicherweise, denn in dem Buch spielt sich keine Bewegung ab. Man muss sich immer wieder dazu zwingen, seine Aufmerksamkeit in das unbewegte Buch zu richten. Dies ist sehr mühsam und widerspricht dem Überlebenssinn unseres Gehirns."


Vielleicht ist Ihnen folgende Situation vertraut. Sie sind bei Freunden eingeladen und der Fernseher läuft. Sie nehmen sich vor, diesem keine Beachtung zu schenken, sondern sich ausschließlich zu unterhalten. Jedoch müssen Sie feststellen, dass Ihre Aufmerksamkeit immer wieder Richtung Fernseher wandert, ob Sie wollen oder nicht. Dieser Überlebensmechanismus ist in Ihren Genen verankert.

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