Fragen Sie sich auch häufig, warum Sie sich einfach nicht auf das Lesen konzentrieren können? Warum Sie ständig mit den Gedanken wo anders sind? Woran liegt es, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht voll und ganz auf den Text richten können? Dass Sie sich oftmals nicht an das erinnern, was Sie gelesen haben? Diese Fragen möchten wir in diesem Artikel beantworten.
Ressourcen für ablenkende Gedanken
In der Wissenschaft wird immer wieder angeführt, dass ein Mensch mit einer Geschwindigkeit von mindestens 600 Wörtern pro Minute denkt. Die durchschnittliche Sprechgeschwindigkeit liegt hingegen bei 150 Wörtern pro Minute und ist damit sehr langsam.
Das ist auch der Grund dafür, warum es oftmals schwer fällt, die Konzentration bei einem Vortrag aufrecht zu halten. Noch schwerer ist es natürlich, wenn das Thema als nicht interessant empfunden wird und man seine brachliegende geistige Kapazität nicht dafür nutzt, das Gehörte aktiv zu hinterfragen oder auf seinen Lebensbereich zu übertragen.
Ebenfalls aus dem Bereich der Neurowissenschaften stammt die Zahl von 126 neurologischen Bits. Diese Zahl stellt die Informationsmenge da, die unser Bewusstsein in einer Sekunde verarbeitet. Unser Unterbewusstsein verarbeitet dagegen mehrere Milliarden neurologischer Bits pro Sekunde. Bei einer herkömmlichen Lesegeschwindigkeit von 200 Wörtern pro Minute werden jedoch gemäß den Untersuchungen nur ca. 40 Bits pro Sekunde beansprucht. Die restlichen ca. 80 Bits stehen somit für ablenkende Gedanken zur Verfügung.
Das heißt, dass Sie genügend Ressourcen frei haben, um sich während des Lesens in Selbstgespräche zu verwickeln. Vor allem beim Lernen handelt es sich selten um positive Selbstgespräche. Sicherlich sind Ihnen einige dieser Gedanken / Selbstgespräche vertraut: „Das kann doch niemand verstehen!", „Alle anderen verstehen das viel schneller als ich!", „Warum muss gerade ich bei diesem schönen Wetter lernen?", usw.
In seinem Buch „Visual Reading - Garantiert schneller lesen und mehr verstehen" berichtet der Autor Christian Grüning dass er Freunde hat, die Ihre monatelangen Prüfungsvorbereitungen statt in der Bibliothek zuhause bei laufendem Fernseher verbracht haben. Dass das schädlich für die Konzentration ist, steht fest.
Doch wenn mangels Aktivität beim Lesen sowieso 70 % unserer Ressourcen frei sind, kann man diese besser durch den Fernseher ausfüllen lassen als durch negative Selbstgespräche.
Grüning führt an, dass die oben aufgeführten wissenschaftlichen Zahlen für ihn nicht relevant sind. Zwar habe er sich aus persönlichem Interesse mit allen Entwicklungen im Bereich der Gehirnforschung auseinandergesetzt und verfolge dieses Thema weiterhin sehr gespannt. Auf die Auswahl seiner Lern-, Lese- oder Arbeitstechniken haben diese Ergebnisse aber keinen Einfluss, denn alle erfolgreichen Lesetechniken waren bereits vor tausenden von Jahren bekannt. Entscheidend sei für ihn allein, ob eine Technik Erfolg hat, und ob man eine Verbesserung in seiner Arbeitsweise feststellen kann.
Unabhängig von jeder wissenschaftlichen Untersuchung stelle er im Vergleich zu früher einen immensen Zuwachs an Konzentration beim Lesen fest. Denn, beim zügigen Lesen habe man kaum noch Möglichkeiten abzuschweifen. Man ist vielmehr voll und ganz mit dem Lesevorgang beschäftigt. In dieser Hinsicht kann man das Lesen mit dem Fahrradfahren vergleichen. Es ist eine gewisse Geschwindigkeit erforderlich, um geradeaus fahren zu können.
Lesen, wie man es aus der Schule kennt, sei ein ideales Schlafmittel. Wer nimmt nicht gerne ein Buch mit ins Bett. Das Lesen „Wort für Wort" ist sehr ermüdend. Das Gehirn bekommt nicht genügend Inhalte geliefert und verabschiedet sich nach einer gewissen Zeit in das Reich der Träume. Tagsüber verabschiedet man sich in den Bereich der Tagträumerei, denn beide Gehirnhälften benötigen ständig Informationen. Vor allem unsere rechte Gehirnhälfte verlangt nach visuellen Reizen. Werden diese nicht von außen zugeführt, erschafft sich unser Gehirn die Bilder selbst. Wenn man jemanden in einen dunklen Keller einsperrt, werden die ersten Halluzinationen daher nicht lange auf sich warten lassen.



